Vorstellung: Zwei auf einen Streich
Verfasst: Fr 29. Mai 2026, 12:33
Altes Forum, 28 May. 2018 20:53
Hallo Kadett C -Liebhaber,
nach fast einem Jahr des passiven Mitlesens in diesem Forum und noch vor dem Stellen einer Frage zum meinem City ist es fairerweise Zeit, dass ich mich und nachträglich meine Kadett einmal vorstelle. Normalerweise bin ich ja eher nicht so der Forum-Typ. Na dann. Nachträgliche Kadett-Vorstellung, de denn der Rallye ist -nach meinen Vorstellungen jedenfalls- nun fast fertiggestellt, und der City ist mir einfach so in die Hände gefallen ohne dass ich viel tun musste. Ich hab beim Rallye, der die Hauptaufgabe ist, währenddessen nicht viele Bilder gemacht, ich hoffe ihr könnt euch trotzdem was darunter vorstellen.
Es war auch kein Projekt oder eine Restauration, -erst recht nicht verglichen mit dem was die meisten hier so vorstellen. Die Karosserie stand wirklich gut da und ich habe auch keine Umbauten gemacht. Sondern es war eher eine Art Teilebeschaffungs- und Austauschaktion, um den Wagen etwas originaler dastehen zu lassen. Also nicht vergleichbar mir dem Aufwand, den hier viele über Jahre betreiben. Hut ab vor soviel Hingabe und Ausdauer, kann ich nicht, so was. Ich hoffe ich langweile nun niemanden, dann kann er sich ja direkt auf die paar Bilder konzentrieren und dann wegklicken
Und sicher, mancher wird bei meinem Wagen berechtigter Weise sagen, "Da geht aber noch mehr", "Das war nicht sorgfältig genug", "Da ist was vergessen worden" oder "Details sind nicht historisch korrekt umgesetzt". Dem stimme ich überall zu, doch manchmal muss man einfach auch mal Kompromisse machen. Aber das kann man vermutlich bei vielen solcher Vorhaben sagen. Am Ende will man ja seinen "eigenen" Wagen haben und nicht einen, der den anderen gefällt. Was für mich also das wichtigste ist: Mir gefällt er so, wie da nun steht. Und darauf kommt es ja an, finde ich.
Es war aber auch das Maximum an Geld, aber vor allem aber an Zeit, die ich in die Aufarbeitung investieren wollte. Nun, nach seiner Fast-Fertigstellung, stehen wieder andere Aufgaben an, denn während der Kadett-Bearbeitung ist wirklich fast alles andere liegen geblieben. Selbst mit dem Motorrad bin ich 2017 nur an 2 langen Wochenenden unterwegs gewesen. Und DAS das will wirklich etwas heißen!
Doch der Esel zuerst: Wer bin ich?
Zuerst zu mir: Ich heiße Hauke, bin Jahrgang 1968, geboren in Braunschweig und wohne in Delmenhorst, das ist ein kleines Städtchen westlich von Bremen. Ach ja: Und ich arbeite in MeckPom, was der Grund für meine wenige Zeit ist, die ich so nur am Wochenende habe.
Meine Kadett C-Historie
An meinem Alter kann man ungefähr erahnen, das ich seit 1986 einen Führerschein habe. Gleich danach habe auf einen Kadett C Coupé gespart. Bei meinem Lehrlingslohn hat es eine Weile gedauert, solange bin weiter 80er gefahren. Mehr als ein 1.2l war da auch nicht drin. Damals musste man übrigens einfach nur „C Coupé“ sagen. Das damit unzweifelhaft nur ein Kadett gemeint war wusste damals einfach jeder. Alle in meinem Alter erinnern sich daran sicherlich auch heute noch J
Coupé Nr.1:
Meinen ersten C-Coupé, mit Blinker unten, BJ 76, 52 PS in neu lackiertem Rot (zur Vertuschung einiger Mängel), hab ich dann endlich im Februar 1987 für ungefähr 2.200 DM gekauft, aber dann auch schon nach nur 6 Tagen auf dem Weg zur Berufsschule bei Glatteis an 3 Bäumen zerschellen lassen. Die einzigen Bilder, die ich von mir zusammen mit diesem Wagen hab, stammen aus dem Unfallbericht der Zeitung. Ich sitze da noch drin, aber die Infusion läuft schon.. J
Coupé Nr. 2
Nach dem Krankenhausaufenthalt, der Genesung bis Mai und 2 weiteren Monaten eisernem Sparen und Verbrauch aller meiner Rücklagen hab ich mir dann den nächsten geholt: Bj. 05/1979, wieder ein 1.2 mit 55 PS und quasi aus 2. Hand für 2.550 DM. Originallack in Jadegrün-metallic, mit brauner Innenausstattung, schwarzem Teppich und weißem Himmel. Eine unmögliche Farbkombination wie ich fand. Doch damals gab es zur Behebung solcher Probleme jede Menge Schrottplätze, und unglaublich viele Kadett C zum Ausschlachten. Schwierigkeiten bei der Teilebeschaffung waren Ende der 80er noch unbekannt. An Ende war er innen komplett schwarz. Der Himmel wurde angemalt, der Lack hielt bis zum Austausch des Himmels 1995 Jahre lang ohne abzublättern was mich heute noch erstaunt. Unverzichtbar in dieser Zeit waren 52er Zusatzinstrumente im Armaturenbrett und in selbstgebauten Konsolen. Jeder Goggo sollte schließlich ein Ferrari sein. Ein Kamei-Frontspoiler musste her, und zwischendurch eine echte Sünde: Ein Zastrow-Flügel auf dem Kofferraumdeckel. Für den bei 55 PS unbedingt nötigen Abtrieb. Heute schäme ich mich dafür genauso wie die vielen unmotivierten Aufkleber, die zwischendurch auf dem Wagen waren J. Die Zeiten waren aber anders, und ein Kadett ein Verbrauchsartikel. Reparaturbereiche bekamen damals auch einfach nur eine Sprühdosenlackierung, geschweißt wurde nur wenn der TÜV das explizit haben und sehen wollte. Dieser zweite Wagen hat mich nun als tägliches genutztes Erst-Fahrzeug bis 2003 begleitet. 1995 hab ich ihn einmal neu aufbereiten müssen und hab ihn nach den Schweißarbeiten(Frontmaske, Schweller, Radläufe etc.) in einem dunklen Audi-Grünmetallic neu lackieren lassen. Die Aufbereitung war natürlich noch nicht so gründlich wie man das heute macht. Das hat man dann nach den obligatorischen 8 Jahren wieder gemerkt: Die typischen Stellen waren erneut durchgerostet. Nachdem der TÜV dann 2003 abgelaufen war hab ich den Wagen in die Garage geschoben und angefangen zu strippen. Der gedachte Beginn einer gründlichen Aufarbeitung. Optimistisch geschätzte Zeitdauer: 2 Jahre. Eine Illusion, denn Beruf und andere notwendige Aufgaben oder Interessen und Hobbys wie Motorradfahren haben das Projekt dauerhaft unterbrochen, und einfach aus Zeitmangel ist der Kadett komplett zerlegt jahrelang stehen geblieben. Jedoch immer mit dem Vorsatz im Hinterkopf, dass ich das Vorhaben wieder aufnehmen wollte.
Neuer Anlauf.
Ein unverschuldeter schwerer Motorradunfall 2013 bewirkte, das ich mich mit meinen unvollendeten Aktionen auseinandergesetzt hab. Macht man wohl, wenn man gerade noch davongekommen ist, und mit viel Glück alle Gliedmaßen gerettet werden konnten. Hat lange gedauert bis ich mich wieder einigermaßen schmerzfrei bewegen konnte, so dass ich mich ernsthaft mit Schrauben statt mit Genesung beschäftigen konnte. Was gewesen wäre, wenn ich doch Bein oder Fuß verloren hätte oder Finger ab wären? Keine Ahnung, und dank guter Ärzte und viel Glück kam es ja am Ende nicht dazu. Zuerst ein neues Motorrad, klar, aber dann rückte der alte Kadett in den Fokus, der noch immer in der Garage stand.
Obwohl es mir schwergefallen ist entschied mich nach einer Befundung, dass ich diesen Wagen mit der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht aufarbeiten konnte in einem Zeitrahmen, der für mich akzeptabel war, denn ich bin ja Wochenendpendler. Da schafft man nicht so viel, und es gibt ja auch noch andere Aufgaben als Autoschrauben. Mit dieser Entscheidung musste ich allerdings meinen alten Opel der Verschrottung Preis geben. Denn wer, außer ich selber, würde sich so einer Ruine noch annehmen mit dem Ziel, diese wieder fahrbereit herzustellen?? Heute steht er übrigens bei der Altopelhilfe, die ihn zur Zeit nutzen, um neue Formen von Fensterdichtungen zu erproben. Und vielleicht erbarmt sich ja noch jemand…
Die Neuen. Zuerst der Rallye....
Seit meinem ersten Auto war ich ja bisher quasi noch nie ohne Kadett C Coupé, auch wenn der zweite in den letzen Jahren ja immer nur in der Garage stand und nie gefahren ist. Aber: Er war da.
Und so sollte das bleiben, also musste zwingend ein Kadett C, und in jedem Fall wieder ein Coupé, her.
Da hab ich mich mal im Netz umgesehen nach brauchbaren Fahrzeugen, die man auch ohne großen Aufwand erst mal fahren kann, denn darum ging es mir in dem Moment mehr als um eine Restauration an sich. Schließlich bin ich fündig geworden. Ein holländisches Fahrzeug stand in Kommission in Aachen bei einem Händler für vorwiegend US-Fahrzeuge. Ob es wirklich in Kommission war oder nur behauptet wurde um die Gewährleistung zu umgehen weiß ich nicht. Es war ursprünglich ein 1.6l Rallye, der schon auf 2.0E umgerüstet war. Verbaut war ein 4-Gang Overdrive aus dem Rekord. Das wollte ich aber mittelfristig los werden und gegen ein ZF oder Getrag 240 tauschen. Später. Die Besichtigung zeigte aber eine nahezu rostfreie Karosse. Dagegen aber auch Technik, um die man sich bei Zeiten würde kümmern müssen. Zumindest mussten so ziemlich alle Dichtungen am Motor und die vom Differentialdeckel ausgetauscht werden, die gegen ölaustritt wirken sollten, das konnte man sofort sehen J.
So sahen die Bilder im Netz aus: Aber erst mal war das ein Kadett zum fahren dachte ich, und darum ging es mir zunächst schließlich hauptsächlich. Am Preis konnte auch noch etwas gedreht werden, TÜV kam neu und die §21 Unterlagen, dazu eine H-Kennzeichen-Abnahme. Da habe ich ihn gekauft.
Der Vorbesitzer und seine Fähigkeiten
Rückwirkend war das Fahrzeug aber total überbezahlt, ich hätte mir genauso gut eine fertig geschweißte Rohkarosse kaufen können. Und wie dieser Wagen TÜV ohne Mängel bekommen hat ist mir auch ein Rätsel. Aber das ist eine andere Sache und lag eher an Details wie merkwürdig geschweißter Handbrems-Gewindestange. Ob mal gebrochen oder durchgesägt, egal, das schweißt man doch einfach so zusammen, wozu die Versatzstange an der Verbindungsstelle? Na, bei den Schweißkünsten des Vorbesitzers lieber mehr als wenig Material schweißen, sicher scheint sicher. Aber SO???? Der Getriebehalter und seine Befestigung am Wagenboden war auch so eine Sache. Dazu später noch was. Kann man sicher so machen, sollte man aber nicht! Und vielleicht bin ich nur so skeptisch weil ich einige Schweißnähte gefunden hab, die den Namen nicht verdient haben. Aber nennen wir es ruhig beim Namen: Sowas ist grottiger Pfusch und ist auch alles von mir aus dem Wagen entfernt worden.
Ich kann auch nur bedingt schweißen und dann nur dickeres Blech denn ich komme aus dem Schiffbau, aber ich weiß auch bei dünnem Blech, wann eine Naht gebunden hat und wann Sie nur oben aufliegt. Aber all sowas sieht man erst hinterher genau. Als ich den Wagen angesehen hab ist mir das durch die Lappen gegangen, aber wer schaut schon genauer auf die Handbremse wenn man wahrnimmt dass sie da ist? Ich in dem Moment jedenfalls nicht.
Das Wort "Eigentlich". Eigentlich gibt es ja eigentlich nicht....
Als der Wagen im Februar 2017 bei mir auf dem Hof stand wollte ich zunächst eigentlich nur die Alarmanlage aus dem Kabelbaum auspflegen.
Da war es schon: Eigentlich. Ein Kumpel von mit meint jedoch, wenn ich „Eigentlich“ sage, ist das der Auftakt zu einer Folge unvorhergesehener umfangreicher Aktionen. So war es hier auch. Beim Entfernen der Alarmanlage zeigte sich, dass der Vorbesitzer in keinem Fall viel mit Elektrik am Hut hatte. Wildes Durcheinander, keine Farbzuordnung (mindestens sollte man ja Rot, Schwarz und Braun in den richtigen Stromkreisen verwenden, oder sonst mindestens Verbindungen kennzeichnen, gerne auch mal löten usw.). Nachdem die Alarmanlage entfernt war lief nur noch der Anlasser, ohne dass der Motor startete, es ging nur noch eine Blinkerseite, aber kein Rücklicht und keine Hupe etc. Der Ausbau sah dann so aus. Zuerst die Versuche, nur die Alarmanlage zu entfernen, doch sie war in so ziemlich jeden Stromkreis eingebunden......., ....dann das ausgebaute Übel. So wie der Kabelbaum da liegt, war er im Wagen eingebaut, und dabei ist da die Alarmverkabelung schon nicht mehr dabei. Sowas geht gar nicht! Wenn man dann einen Kabelbaum vernünftig austauschen und einen Neuen verlegen will, muss innen man fast das ganze Auto zerlegen. Das hab ich dann auch gemacht. Dabei kam dann auch der Entschluss auf, den Wagen möglichst so wieder aufzubereiten, das er dem Orpginal etwas näher kommt. Musste nicht 100% sein, aber mehr als augenblicklich. Wenn man eh schon dabei ist, kann man es gleich auch schön machen J.
Ich hab mir dann einen neuen Motor besorgt in der irrigen Annahme damit schneller zu einem einsatzbereiten Wagen zu kommen. Aber da ich bis heut noch nicht fertig bin hätte ich den alten Motor in der Zwischenzeit auch überholen können im Winter. Hinterher weiß man das, und so habe ich zumindest einen Reservemotor, den ich hoffentlich aber nicht brauche. Und ein 5-Gang-Getriebe hab ich geschossen, abweichend zum Original jedoch ein Getrag 240 und kein ZF für den 5.Gang weil ein ZF ja übel teuer ist, Das war dann schon eine Abweichung, aber Hauptsache 5-Gang und kein Overdrive. Alle möglichen weitern erforderlichen Teile gab es bei den einschlägigen Shops wie Altopelhilfe, ATZ, Edelschmiede usw. und natürlich in der "Bucht".
Als ich im April 2017 zwei nagelneue Zigarettenanzünder hatte, sah der Gebläseschalter daneben plötzlich aus wie vom Müll. Also musste auch ein neuer Gebläseschalter her. Und das setzt sich dann ja fort und endet mit der Neubeschichtung der ausgeblichenen orangen Anzeigenadeln der Instrumente. Die Farbe ist eine Mischung aus Leuchtorange und Leuchtgelb von Revell und den Farbton hab ich an den nicht ausgeblichenen Stellen farblich angepasst.
Nach und nach kamen dann alle Teile zusammen, während ich den Wagen weiter komplett ausgeräumt hab. Ich habe eigentlich alles außer die Karosse und 3 Felgen neu gekauft oder neu aufbereitet.
4 weniger 1 bleiben 3.....
Und warum konnten nur 3 Felgen am Wagen bleiben? Das kommt, wenn der Vorbesitzer Felgenschlösser verwendet, aber anscheinend keinen Drehmomentschlüssel! Zuerst ist die zum Schlosssystem gehörenden Nuss gerissen, zum Glück erst bei der letzten Felge. Das konnte man mit einer Schlauchschelle aber provisorisch zum Halten bekommen, es musste ja nur dieses eine mal noch gehen. Dann sind aber auch die Löcher für die Pins in dem Felgenschloss ausgenudelt, und zum Schluss in der Nuss einer der drei Pin‘s abgebrochen. Aber die Schlossmutter sitzt weiterhin Bombenfest. Das war es dann erstmal für die Felge. Sie ist zum Glück auf der Hinterachse und wird mitgetauscht, wenn ich die wechsel. Einen Mutternsprenger kann ich nicht ansetzen, auch keine Zange, da das Schloss einen mitdrehenden Ring hat der seine Aufgabe, unbefugtes lösen der Mutter zu verhindern, glänzend erfüllt.... Eine Aufgabe für später wenn mal überhaupt nichts zu tun sein sollte.
Ich hab mir dann eine neue Felge gekauft und den Vorbesitzer in die Hölle gewünscht.
Hier mal ein paar fixe Eindrücke: Ich verwende im Moment SR-Instrumente wegen dem Getrag und vor allem, weil ich die optisch besser finde als die für den Rallye korrekte 3er-Konsole. Denn irgendwie sieht die 3er-Konsole so aus wie sie ist: Einfach nachträglich unter die Mittelkonsole drunter geschraubt. Die vom SR sehen dagegen aus wie speziell gemacht, und das ist ja auch so. Aber das ist Ansichtssache, und ich habe die 3er ja auch als Reserve in einer komplett ausgestatteten weiteren Konsole inkl. Radio und allen Schaltern. Ich kann das also mit "4 Schrauben" einfach schnell tauschen, wenn ich will. Während der Wagen im Frühherbst 2017 wieder in seinem originalen UU 321 Brillantgrün neu lackiert wurde, konnten andere Baugruppen aufbereitet werden. Teile, die ich nicht schon in guter Aufbereitung kaufen konnte brachte ich zum Pulvern oder galvanischem Verzinken, Lima zerlegen und LMM aufbereiten, ist ja heutzutage kein Hexenwerk, macht aber dann später viel her bzw. schützt dann besser vor erneuter Korrosion. Viele Teile hab ich dann aus optischen Gründen auch nach dem Galvanisieren trotzdem wieder schwarz überlackiert, weil es früher auch dunkel und matt war. Den Kabelbaum hab ich auch neu gemacht, nach dem Motto: "Aus 3 mach 1". So ist der Kabelbaum nun genau nach Schaltplan (außer das Kabel zwischen Klemme 15 und der Zündspule wegen der kontaktlosen Zündung) und alles in den richtigen Kabelfarben. Es gibt keine fliegende Verdrahtung mehr. Der Aufwand lohnte, denn nach dem Einbau waren alle Funktionen auf Anhieb korrekt. Ergänzt hab ich nur die Überwachung des Bremsflüssigkeitsstandes, ist original Opel, so aber wohl nur in der Schweiz vorgeschrieben und gab es in Deutschland nicht soweit ich weiß. Die Kontrollleuchte ist nun also 3-fach belegt: Kupplung, Handbremse und Bremsflüssigkeitsstand. Diese Kombi ist sicher nicht original
Eine weitere kleine Abweichung vom Original ist, das ich die Motorraumleuchte über die Masse so belegt habe, das sie nur angeht wenn Licht an ist und die Haube geöffnet wird. Aber das nur deswegen, weil der dazu notwendige Haubenkontaktschalter vorne schon da war von der Alarmanlage des Vorbesitzers.
Der Vorbesitzer hatte die Kraftstoffpumpe auch nicht in den Kofferraum montiert, sondern unter dem Wagen im Tunnel der Hinterachse. Sah grottig aus, war auch grottig. Ich habe sie verschrottet und eine neue dann so montiert, wie es sich gehört. Und die Benzinleitungen neu verlegt, alles schön in Kunifer-Rohr mit einigen kurzen Schlauch-Zwischenstücken, so wie es so ähnlich vermutlich original wohl war. Auch die Bremsleitungen sind neu. Wenn schon, denn schon.
Dämmung hab ich auch ergänzt, also ist diese gummiartige Zusatzdämmung im Motorraum (außer auf der Gebläseabdeckung) und im Fußraum dazugekommen, und eine Fasermatte für den Tunnel. Wir wissen ja alle, wie der Kadett dröhnt. Den Motor hab ich nicht mit dem Getriebe zusammen einbauen können, es fehlten immer ein paar Millimeter an Platz. Also hab ich das wieder getrennt und den Motor einzeln eingebaut. Den Motor einzeln einzusetzen ist ja nicht schwer, dann aber von unten, und ohne Grube, das Getriebe einzubauen dafür umso kniffliger. Ich hab 2 Tage gebraucht. Zum Glück ist die Kupplung ganz neu da muss ich nicht so schnell wieder ran hoffe ich. Dann musste die Auspuffanlage an allen Hindernissen vorbeigezirkelt werden. Auch wenn ich heute die Ray 85 mit allen 3 Pötten eingebaut habe, ist in meinen Papieren die Anlage nur mit 2 Töpfen eingetragen. Eigentlich ein Unding, keine ABE von Ray gibt das her. Manch anderer würde sich über so eine Eintragung natürlich freuen, und ich lass das auch so in den Papieren. Der Vorbesitzer hatte allerdings das Hosenrohr umgeschweißt, so dass es anstelle des Vordämpfers direkt zum ursprünglich originalen mittleren Dämpfer führte der so nun der vordere war. Leider aber war die Ergänzung aus normalem Stahlrohr. Wie so eine ungünstige Materialpaarung in einer Edelstahlanlage ausgeht, kann sich ja jeder denken. Da brauche ich nicht mal zu überlegen ob der Vorbesitzer bei so einer Kombi schon mal von Schwarz-Weiß-Draht gehört hat. Aber bei einem Auspuff macht man so eine Kombination besser grundsätzlich nicht, weil es kontraproduktiv ist. Die Anlage war aber auch sonst nicht mehr so toll, da der Wagen tiefer war und daher schon mal aufgesetzt hatte. Ich verfügte zudem über eine ungenutzte komplette Ray 85-Anlage, jedoch ohne Hosenrohr. Die hab ich nun verwendet. Also hab ich deswegen das Hosenrohr aus dem Wagen wieder gekürzt, den Verlauf auch korrigiert und an die ursprüngliche Ausrichtung angepasst. Dann konnte der bisher fehlende vordere Pott wieder eingebaut werden.
Eine der tückischen Leichen, die der Vorbesitzer mir hinterlassen hat, und die von mit etwas unterschätzt worden war, ist dass er die originalen Halter Getriebekonsolen ersatzlos abgeschnitten hat. Sein eigener Halter für das Overdrive-Getriebe war eine Katastrophe. Er hat sich einen Getriebehalter selber gebaut aus mindestens 5 Resten, und diesen dann direkt unter den Wagenboden geschraubt. Konsole? Nö, wozu??? Dünnes Bodenblech und von innen eine große Unterlegscheibe sollten wohl reichen muss er sich gedacht haben. Einige Schweißnähte des Halters haben nicht gebunden. Ein Wunder, dass das Ding überhaupt zusammengehalten hat : Kein Wunder aber dann auch, das der Gummiblock der Getriebelagerung gerissen ist, denn richtig ausgerichtet war das sicher nicht, und ob dieses Konstrukt die Schwingungen abfangen konnte bezweifel ich stark. Leider hab ich die Lagerung nicht in Einbaulage fotografiert, das war echt der Knaller! Das ist für mich auch so eine Frage, warum der TÜV dazu nichts gesagt hat! Und warum mir das bei der Wagenbesichtigung überhaupt nicht aufgefallen ist bleibt mir auch ein Rätsel. Ich hab wohl eine Sonnenbrille unter dem Wagen aufgehabt....
Es war dann nicht ganz so einfach, die originalen Konsolen die ich aus der Bucht gekauft hab wieder genau im Tunnel zu positionieren, hat aber geklappt.
Es gab auch viele andere kleine Leichen, z. B. die fehlende Verwendung von Drehmomentschlüsseln oder zumindest etwas Gefühl. So manche Schraube ließ sich nicht mehr oder nur zerstörend lösen, nicht wegen Rost, sondern weil sie quasi „kaltverschweißt“ war. Kraftgefühl kann der Vorbesitzer jedenfalls nicht in Übermaß gehabt haben. Ich hab mal gelernt dass Schrauben eigentlich zu den lösbaren Verbindungen gehören.
Aber er hat auch viel Gutes gemacht, unter anderem eine richtig gute Hohlraumversiegelung, nachdem der Wagen irgendwann schon mal sehr gut aufgearbeitet wurde.
Innen ist nun auch alles überarbeitet. Ich habe einen originalen Teppich gekauft als Ersatz für den 7-teiligen Nachbau-Teppichsatz, das sah auch gefricklelt aus. Alle Verkleidungen (A-Säulen und unter der Rückbank) haben ich als sehr guten Nachbau bei Ebay bekommen. Die sind richtig gut gemacht. Ansonsten musste ein zeitgenössisches Opelradio her, da hab ich das damals beste für den Kadett lieferfähige Gerät gefunden, das Le Mans Super. Dann war für mich ab November Winter, und ein zufälliger Kontakt in Bremen hat diese Unterbrechung meiner Arbeiten für sich nutzen können: Mein Wagen gelangte im Januar in eine Kadett-Ausstellung im Schuppen 1 in Bremen. Da blieb er nun bis März schön im Warmen.
Überhaupt ist meine Garage eigentlich völlig ungeeignet für so eine Aktion gewesen: eng, ungeheizt, Werkstatt im Keller, also lange Wege. Aber das kann man sich ja nicht immer aussuchen. Heizung wäre echt toll gewesen an manchen Tagen, und eben eine Grube oder Bühne. Aber eine ISO-Matte, Rampen und Heber geht ja auch. Ich habe bis auf die Lackierung und das Polstern der Sitze alles selber und ganz alleine gemacht, weil ja wenig Schweißarbeiten waren, das kann ich nicht so gut. Was an Sonderteilen oder Hilfs-Werkzeugen herzustellen war, da hab ich mir in schwierigeren Fällen von Kollegen in der Firma helfen lassen. Tja, was nun noch fehlt ist der Austausch der Hinterachse. Ich habe eine 3:44 ohne Sperre, die ist noch in der Revision. Mir reicht diese Übersetzung, eine beschleunigungsfreudigere Übersetzung brauche ich eigentlich nicht, und der Rallye hatte diese Übersetzung ja auch ab Werk. Zumal ich mit diesem Wagen keine Sprintwettbewerbe fahren will, sondern er soll einfach an schönen Tagen, ohne viel Gedröhne, durch die Gegend bewegt werden. Damit wird der Kadett aber auch immer in Konkurrenz zu meinem Motorrad stehen, das ich natürlich ebenfalls weiterhin fahre. Das dröhnt auch, aber hier ist das mit Sprint und Geschwindigkeit ein anderes Thema. Wer das kennt weiß, dass damit der Bedarf an Beschleunigung und Geschwindigkeit im Wesentlichen abgedeckt ist und in Verbindung mit Kurvenpiepen sowieso nicht von einem Auto ausgeglichen werden kann. In Bezug auf Fahrspaß kann in meinen Augen kein Auto einem Motorrad das Wasser reichen. Das jedoch ist natürlich auch wieder so eine Ansichtssache.
Solange man auf ein wesentliches Teil wie die Hinterachse wartet kann man sich mit Nebensächlichkeiten beschäftigen. Wie zum Beispiel: Soll ich eine Tankverkleidung einbauen oder nicht? Sie ist nun drin, aber bleibt das länger so? Oder doch wieder raus? Die Entscheidung ist noch offen. Im Moment hab ich wieder weniger Zeit, es geht also nur langsam dem Ende entgegen. Ich habe noch Kleinigkeiten zu erledigen. An der Schaltkonsole in der ersten Kombination, die hier noch auf den Bildern zu sehen ist, war eine etwas längere Konsole am Getriebe, der Mittelpunkt lag etwa 20 mm hinter dem Zentrum des Loches im Tunnel. Der Schaltknüppel War schön ausgerichtet in der Mittelstellung, tocken gingen alle Gänge rein, jedoch lag er in den Gängen 2 und 4 hinten an der Konsole an, es stand zu befürchten dass die Gänge beim Fahre rausfliegen.
Die nun neue kürzere Konsole passt genau zum Loch, nun muss aber selbst meine kurze Schaltstange noch angepasst/gekürzt werden. Das kommt diese Woche dran, dann sollte alles passen hoffe ich.
Der Stallgeruch des Kadett-Vorbesitzers ist nun auch längst verflogen, und irgendwie ist das auch gut so dass ich den Wagen in diesem Umfang überarbeitet habe, sonst wäre es irgendwie auch nicht so richtig meiner geworden. Ich vermute der eine oder andere kennt dieses Gefühl bzw. weiß wie ich das meine.
Am Ende keine spektakuläre Aufarbeitung wie das hier viele andere hier machen und beschreiben, aber da ich es alles alleine und nur am Wochenende gemacht hab ist es okay für mich.
.... und nun der City
Und hier nun mein zweiter Kadett in der Vorstellungsrunde. Spontan ist im Februar nun noch ein City dazugekommen den man auf den vorangegangenen Bildern schon in der Garage sehen kann.
Ein spontaner Kauf. Das Fahrzeug ist zur Jahreswende 17/18 frisch aus Schweden eingeführt, originale und belegte 39.800 km auf der Uhr, weitgehend im Erstlack, und unverbastelt, Luxusaustattung, Scheinwerferwaschanlage. Aber das eine andere und echt kurze Geschichte, denn hier war eigentlich nichts zu tun außer ummelden. Glück muss man auch mal haben. Alter Schwede...
Allerdings mit einigen Besonderheiten, die ich auf die schwedische Zulassung zurückführe. Es ist ein 1,2 S, der einen Bremskraftregler hat, wie ich ihn ähnlich, aber nicht genauso, nur von den großen Cih her kenne. Die Ausführung ist hier im Detail aber etwas anders, auch der Halter. Dann hat er einen Sensor im HBZ (ich denke mal Druck), der auf die Handbremskontrollleuchte geht. Diese Ausführung des HBZ hab ich beim Kadett C so auch noch nicht gesehen. Serienmäßig hat er auch einen Handbremskontrollschalter, die Leuchte ist also doppelt belegt. Einen Handbremsschalter konnten man aber auch in Deutschland für das Schaltgetriebe bekommen wenn man nachgefragt hat soweit ich weiß. Muss also hier nicht unbedingt etwas mit Schweden zu tun haben. Anders ist auch, dass vom Tank 3 Leitungen abgehen: Eine Entlüftung in der bekannten City-Form, also Tankstutzen hoch und zurück, um den Tank rum und dann unten aus dem Boden. Das besondere ist, dass ich zwei Spritleitungen habe die nach vorne gehen: Eine an die Benzinpumpe (was für ein Wunder
) und eine endet blind im Motorraum. Keine Ahnung wozu. Vielleicht, falls im einsamen Schweden eine Leitung undicht ist und man dann die andere an die Pumpe anschließen kann, während aus der undichten weiterhin das Benzin in die Landschaft tropft. Blöde Theorie. Das ist allerdings, so wie es aussieht, ab Werk verlegt und nicht nachträglich ergänzt, da müsste ich mich schon sehr täuschen. Wie gesagt, das Auto an sich ist total unverbastelt. Ich hab die unnötige Leitung schon im Kofferraum abgeklemmt, und vorne endet sie zunächst nun ungenutzt. Wenn ich den Tank mal rausholen sollte gehe ich der Sache genauer auf den Grund.
Beim Umtragen der schwedischen Papiere ist was Blödes passiert, es sind keine der originalen Felgen und Reifendimensionen in den Papieren, sondern nur die Felge, die in Schweden zuletzt drauf waren: 5,5Jx14 ET 43 (die Alu‘s sind vom Rekord glaube ich) mit 165x70. Das sieht scheiße aus, und passt in meinen Augen nicht zum Wagen. Ich habe jetzt ATS 7x13 mit 185x60 drauf, das ist auch schon TÜV abgenommen. Das Ganze sieht nun etwas hochbeiniger aus weil der Raddurchmesser ja kleiner ist, aber ich bin eh kein Freund der tiefer gelegten Wagen, da macht mir das nichts. In meinen Augen passt das zum City sogar gar nicht so schlecht. Die Mehrheit wird das sicher anders sehen ,weiß ich ja, aber mir egal, es muss ja nur mir gefallen, und das tut es.
Ich habe an dem Wagen sonst nichts gemacht als die mir zu laschen originalen Stoßdämpfer gegen Bilstein B6 getauscht. Die Federn sind dagegen noch sehr gut. Weiterhin hab ich noch schnell SR-Instrumente und Drehzahlmesser und ein Radio eingebaut, den Choke in beleuchtete Version getauscht, Nebelschlussleuchte ergänzen und die Schalter, Kabel und 3er-Relaisträger für Nebel- und Fernlichtscheinwerfer originalgetreu in den Kabelbaum integriert. Auch wenn ich vermutlich niemals Zusatzscheinwerfer montieren werde. Dazu musste der Kabelbaum raus, und aus meinen alten "Restbäumen" die entsprechenden Kabel und Bauteile abgreifen. Der Kabelbaum ist nun neu isoliert, man denkt fast, das ist original. Was nicht original ist, aber für mich etwas ordentlicher aussieht ist, dass ich gleich den Extrastrang der Scheibenwischerreinigung in den Baum integriert hab.
Und ich hab das schwedische Gurtsystem gegen ein deutsches getauscht, das hatte ich noch im Keller.
Fertig. So kann erstmal 2 Jahre gefahren werden. Irgendwann hole ich mal den Motor raus, um ihn von außen aufzuarbeiten, der Lack ist ab. Aber technisch ist das alles TipTop, da braucht wohl erstmal nichts gemacht werden. Eigentlich müsste der Warten auch zum Lackierer wegen der vielen Steinschlag-Ausbesserungen mit Lackstift. Aber mindestens 70% am Wagen ist ja noch Erstlack. Ich kann mich zu einer Lackdusche deswegen nicht durchringen, ich denke so viele Wagen in dem Zustand und im Erstlack gibt es nicht mehr, da lasse ich das mit der Patina mal lieber so wie es ist. Das Blech ist auch super, an wenigen Stellen nur etwas Oberflächenrost aber nicht an den typischen Zonen, der Wagen ist wohl seit Anbeginn an komplett Hohlraumversiegelt. Die einzige irgendwann gemachte Stelle ist hinter dem linken Scheinwerfer, die ja doch typisch für den C-Kadett ist. Und das hätte man etwas besser machen können, aber nun ist es zu spät. Aber das Kritische wie A-Säulen und Schweller, A-Säulenverstärkung, Bodenbleche usw. ist alles in Bestform wie es scheint.
Da konnte ich nicht Nein sagen. Hier aber nun ein paar weitere Bilder von dem Hausfrauen-Bomber: So, fertig, das war es. Viel und lang, aber dafür in einem Rutsch.
In diesem Sinne allen eine unfallfreie Saison. Ich weiß wovon ich spreche...
Gruß
Hauke
Hallo Kadett C -Liebhaber,
nach fast einem Jahr des passiven Mitlesens in diesem Forum und noch vor dem Stellen einer Frage zum meinem City ist es fairerweise Zeit, dass ich mich und nachträglich meine Kadett einmal vorstelle. Normalerweise bin ich ja eher nicht so der Forum-Typ. Na dann. Nachträgliche Kadett-Vorstellung, de denn der Rallye ist -nach meinen Vorstellungen jedenfalls- nun fast fertiggestellt, und der City ist mir einfach so in die Hände gefallen ohne dass ich viel tun musste. Ich hab beim Rallye, der die Hauptaufgabe ist, währenddessen nicht viele Bilder gemacht, ich hoffe ihr könnt euch trotzdem was darunter vorstellen.
Es war auch kein Projekt oder eine Restauration, -erst recht nicht verglichen mit dem was die meisten hier so vorstellen. Die Karosserie stand wirklich gut da und ich habe auch keine Umbauten gemacht. Sondern es war eher eine Art Teilebeschaffungs- und Austauschaktion, um den Wagen etwas originaler dastehen zu lassen. Also nicht vergleichbar mir dem Aufwand, den hier viele über Jahre betreiben. Hut ab vor soviel Hingabe und Ausdauer, kann ich nicht, so was. Ich hoffe ich langweile nun niemanden, dann kann er sich ja direkt auf die paar Bilder konzentrieren und dann wegklicken
Und sicher, mancher wird bei meinem Wagen berechtigter Weise sagen, "Da geht aber noch mehr", "Das war nicht sorgfältig genug", "Da ist was vergessen worden" oder "Details sind nicht historisch korrekt umgesetzt". Dem stimme ich überall zu, doch manchmal muss man einfach auch mal Kompromisse machen. Aber das kann man vermutlich bei vielen solcher Vorhaben sagen. Am Ende will man ja seinen "eigenen" Wagen haben und nicht einen, der den anderen gefällt. Was für mich also das wichtigste ist: Mir gefällt er so, wie da nun steht. Und darauf kommt es ja an, finde ich.
Es war aber auch das Maximum an Geld, aber vor allem aber an Zeit, die ich in die Aufarbeitung investieren wollte. Nun, nach seiner Fast-Fertigstellung, stehen wieder andere Aufgaben an, denn während der Kadett-Bearbeitung ist wirklich fast alles andere liegen geblieben. Selbst mit dem Motorrad bin ich 2017 nur an 2 langen Wochenenden unterwegs gewesen. Und DAS das will wirklich etwas heißen!
Doch der Esel zuerst: Wer bin ich?
Zuerst zu mir: Ich heiße Hauke, bin Jahrgang 1968, geboren in Braunschweig und wohne in Delmenhorst, das ist ein kleines Städtchen westlich von Bremen. Ach ja: Und ich arbeite in MeckPom, was der Grund für meine wenige Zeit ist, die ich so nur am Wochenende habe.
Meine Kadett C-Historie
An meinem Alter kann man ungefähr erahnen, das ich seit 1986 einen Führerschein habe. Gleich danach habe auf einen Kadett C Coupé gespart. Bei meinem Lehrlingslohn hat es eine Weile gedauert, solange bin weiter 80er gefahren. Mehr als ein 1.2l war da auch nicht drin. Damals musste man übrigens einfach nur „C Coupé“ sagen. Das damit unzweifelhaft nur ein Kadett gemeint war wusste damals einfach jeder. Alle in meinem Alter erinnern sich daran sicherlich auch heute noch J
Coupé Nr.1:
Meinen ersten C-Coupé, mit Blinker unten, BJ 76, 52 PS in neu lackiertem Rot (zur Vertuschung einiger Mängel), hab ich dann endlich im Februar 1987 für ungefähr 2.200 DM gekauft, aber dann auch schon nach nur 6 Tagen auf dem Weg zur Berufsschule bei Glatteis an 3 Bäumen zerschellen lassen. Die einzigen Bilder, die ich von mir zusammen mit diesem Wagen hab, stammen aus dem Unfallbericht der Zeitung. Ich sitze da noch drin, aber die Infusion läuft schon.. J
Coupé Nr. 2
Nach dem Krankenhausaufenthalt, der Genesung bis Mai und 2 weiteren Monaten eisernem Sparen und Verbrauch aller meiner Rücklagen hab ich mir dann den nächsten geholt: Bj. 05/1979, wieder ein 1.2 mit 55 PS und quasi aus 2. Hand für 2.550 DM. Originallack in Jadegrün-metallic, mit brauner Innenausstattung, schwarzem Teppich und weißem Himmel. Eine unmögliche Farbkombination wie ich fand. Doch damals gab es zur Behebung solcher Probleme jede Menge Schrottplätze, und unglaublich viele Kadett C zum Ausschlachten. Schwierigkeiten bei der Teilebeschaffung waren Ende der 80er noch unbekannt. An Ende war er innen komplett schwarz. Der Himmel wurde angemalt, der Lack hielt bis zum Austausch des Himmels 1995 Jahre lang ohne abzublättern was mich heute noch erstaunt. Unverzichtbar in dieser Zeit waren 52er Zusatzinstrumente im Armaturenbrett und in selbstgebauten Konsolen. Jeder Goggo sollte schließlich ein Ferrari sein. Ein Kamei-Frontspoiler musste her, und zwischendurch eine echte Sünde: Ein Zastrow-Flügel auf dem Kofferraumdeckel. Für den bei 55 PS unbedingt nötigen Abtrieb. Heute schäme ich mich dafür genauso wie die vielen unmotivierten Aufkleber, die zwischendurch auf dem Wagen waren J. Die Zeiten waren aber anders, und ein Kadett ein Verbrauchsartikel. Reparaturbereiche bekamen damals auch einfach nur eine Sprühdosenlackierung, geschweißt wurde nur wenn der TÜV das explizit haben und sehen wollte. Dieser zweite Wagen hat mich nun als tägliches genutztes Erst-Fahrzeug bis 2003 begleitet. 1995 hab ich ihn einmal neu aufbereiten müssen und hab ihn nach den Schweißarbeiten(Frontmaske, Schweller, Radläufe etc.) in einem dunklen Audi-Grünmetallic neu lackieren lassen. Die Aufbereitung war natürlich noch nicht so gründlich wie man das heute macht. Das hat man dann nach den obligatorischen 8 Jahren wieder gemerkt: Die typischen Stellen waren erneut durchgerostet. Nachdem der TÜV dann 2003 abgelaufen war hab ich den Wagen in die Garage geschoben und angefangen zu strippen. Der gedachte Beginn einer gründlichen Aufarbeitung. Optimistisch geschätzte Zeitdauer: 2 Jahre. Eine Illusion, denn Beruf und andere notwendige Aufgaben oder Interessen und Hobbys wie Motorradfahren haben das Projekt dauerhaft unterbrochen, und einfach aus Zeitmangel ist der Kadett komplett zerlegt jahrelang stehen geblieben. Jedoch immer mit dem Vorsatz im Hinterkopf, dass ich das Vorhaben wieder aufnehmen wollte.
Neuer Anlauf.
Ein unverschuldeter schwerer Motorradunfall 2013 bewirkte, das ich mich mit meinen unvollendeten Aktionen auseinandergesetzt hab. Macht man wohl, wenn man gerade noch davongekommen ist, und mit viel Glück alle Gliedmaßen gerettet werden konnten. Hat lange gedauert bis ich mich wieder einigermaßen schmerzfrei bewegen konnte, so dass ich mich ernsthaft mit Schrauben statt mit Genesung beschäftigen konnte. Was gewesen wäre, wenn ich doch Bein oder Fuß verloren hätte oder Finger ab wären? Keine Ahnung, und dank guter Ärzte und viel Glück kam es ja am Ende nicht dazu. Zuerst ein neues Motorrad, klar, aber dann rückte der alte Kadett in den Fokus, der noch immer in der Garage stand.
Obwohl es mir schwergefallen ist entschied mich nach einer Befundung, dass ich diesen Wagen mit der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht aufarbeiten konnte in einem Zeitrahmen, der für mich akzeptabel war, denn ich bin ja Wochenendpendler. Da schafft man nicht so viel, und es gibt ja auch noch andere Aufgaben als Autoschrauben. Mit dieser Entscheidung musste ich allerdings meinen alten Opel der Verschrottung Preis geben. Denn wer, außer ich selber, würde sich so einer Ruine noch annehmen mit dem Ziel, diese wieder fahrbereit herzustellen?? Heute steht er übrigens bei der Altopelhilfe, die ihn zur Zeit nutzen, um neue Formen von Fensterdichtungen zu erproben. Und vielleicht erbarmt sich ja noch jemand…
Die Neuen. Zuerst der Rallye....
Seit meinem ersten Auto war ich ja bisher quasi noch nie ohne Kadett C Coupé, auch wenn der zweite in den letzen Jahren ja immer nur in der Garage stand und nie gefahren ist. Aber: Er war da.
Und so sollte das bleiben, also musste zwingend ein Kadett C, und in jedem Fall wieder ein Coupé, her.
Da hab ich mich mal im Netz umgesehen nach brauchbaren Fahrzeugen, die man auch ohne großen Aufwand erst mal fahren kann, denn darum ging es mir in dem Moment mehr als um eine Restauration an sich. Schließlich bin ich fündig geworden. Ein holländisches Fahrzeug stand in Kommission in Aachen bei einem Händler für vorwiegend US-Fahrzeuge. Ob es wirklich in Kommission war oder nur behauptet wurde um die Gewährleistung zu umgehen weiß ich nicht. Es war ursprünglich ein 1.6l Rallye, der schon auf 2.0E umgerüstet war. Verbaut war ein 4-Gang Overdrive aus dem Rekord. Das wollte ich aber mittelfristig los werden und gegen ein ZF oder Getrag 240 tauschen. Später. Die Besichtigung zeigte aber eine nahezu rostfreie Karosse. Dagegen aber auch Technik, um die man sich bei Zeiten würde kümmern müssen. Zumindest mussten so ziemlich alle Dichtungen am Motor und die vom Differentialdeckel ausgetauscht werden, die gegen ölaustritt wirken sollten, das konnte man sofort sehen J.
So sahen die Bilder im Netz aus: Aber erst mal war das ein Kadett zum fahren dachte ich, und darum ging es mir zunächst schließlich hauptsächlich. Am Preis konnte auch noch etwas gedreht werden, TÜV kam neu und die §21 Unterlagen, dazu eine H-Kennzeichen-Abnahme. Da habe ich ihn gekauft.
Der Vorbesitzer und seine Fähigkeiten
Rückwirkend war das Fahrzeug aber total überbezahlt, ich hätte mir genauso gut eine fertig geschweißte Rohkarosse kaufen können. Und wie dieser Wagen TÜV ohne Mängel bekommen hat ist mir auch ein Rätsel. Aber das ist eine andere Sache und lag eher an Details wie merkwürdig geschweißter Handbrems-Gewindestange. Ob mal gebrochen oder durchgesägt, egal, das schweißt man doch einfach so zusammen, wozu die Versatzstange an der Verbindungsstelle? Na, bei den Schweißkünsten des Vorbesitzers lieber mehr als wenig Material schweißen, sicher scheint sicher. Aber SO???? Der Getriebehalter und seine Befestigung am Wagenboden war auch so eine Sache. Dazu später noch was. Kann man sicher so machen, sollte man aber nicht! Und vielleicht bin ich nur so skeptisch weil ich einige Schweißnähte gefunden hab, die den Namen nicht verdient haben. Aber nennen wir es ruhig beim Namen: Sowas ist grottiger Pfusch und ist auch alles von mir aus dem Wagen entfernt worden.
Ich kann auch nur bedingt schweißen und dann nur dickeres Blech denn ich komme aus dem Schiffbau, aber ich weiß auch bei dünnem Blech, wann eine Naht gebunden hat und wann Sie nur oben aufliegt. Aber all sowas sieht man erst hinterher genau. Als ich den Wagen angesehen hab ist mir das durch die Lappen gegangen, aber wer schaut schon genauer auf die Handbremse wenn man wahrnimmt dass sie da ist? Ich in dem Moment jedenfalls nicht.
Das Wort "Eigentlich". Eigentlich gibt es ja eigentlich nicht....
Als der Wagen im Februar 2017 bei mir auf dem Hof stand wollte ich zunächst eigentlich nur die Alarmanlage aus dem Kabelbaum auspflegen.
Da war es schon: Eigentlich. Ein Kumpel von mit meint jedoch, wenn ich „Eigentlich“ sage, ist das der Auftakt zu einer Folge unvorhergesehener umfangreicher Aktionen. So war es hier auch. Beim Entfernen der Alarmanlage zeigte sich, dass der Vorbesitzer in keinem Fall viel mit Elektrik am Hut hatte. Wildes Durcheinander, keine Farbzuordnung (mindestens sollte man ja Rot, Schwarz und Braun in den richtigen Stromkreisen verwenden, oder sonst mindestens Verbindungen kennzeichnen, gerne auch mal löten usw.). Nachdem die Alarmanlage entfernt war lief nur noch der Anlasser, ohne dass der Motor startete, es ging nur noch eine Blinkerseite, aber kein Rücklicht und keine Hupe etc. Der Ausbau sah dann so aus. Zuerst die Versuche, nur die Alarmanlage zu entfernen, doch sie war in so ziemlich jeden Stromkreis eingebunden......., ....dann das ausgebaute Übel. So wie der Kabelbaum da liegt, war er im Wagen eingebaut, und dabei ist da die Alarmverkabelung schon nicht mehr dabei. Sowas geht gar nicht! Wenn man dann einen Kabelbaum vernünftig austauschen und einen Neuen verlegen will, muss innen man fast das ganze Auto zerlegen. Das hab ich dann auch gemacht. Dabei kam dann auch der Entschluss auf, den Wagen möglichst so wieder aufzubereiten, das er dem Orpginal etwas näher kommt. Musste nicht 100% sein, aber mehr als augenblicklich. Wenn man eh schon dabei ist, kann man es gleich auch schön machen J.
Ich hab mir dann einen neuen Motor besorgt in der irrigen Annahme damit schneller zu einem einsatzbereiten Wagen zu kommen. Aber da ich bis heut noch nicht fertig bin hätte ich den alten Motor in der Zwischenzeit auch überholen können im Winter. Hinterher weiß man das, und so habe ich zumindest einen Reservemotor, den ich hoffentlich aber nicht brauche. Und ein 5-Gang-Getriebe hab ich geschossen, abweichend zum Original jedoch ein Getrag 240 und kein ZF für den 5.Gang weil ein ZF ja übel teuer ist, Das war dann schon eine Abweichung, aber Hauptsache 5-Gang und kein Overdrive. Alle möglichen weitern erforderlichen Teile gab es bei den einschlägigen Shops wie Altopelhilfe, ATZ, Edelschmiede usw. und natürlich in der "Bucht".
Als ich im April 2017 zwei nagelneue Zigarettenanzünder hatte, sah der Gebläseschalter daneben plötzlich aus wie vom Müll. Also musste auch ein neuer Gebläseschalter her. Und das setzt sich dann ja fort und endet mit der Neubeschichtung der ausgeblichenen orangen Anzeigenadeln der Instrumente. Die Farbe ist eine Mischung aus Leuchtorange und Leuchtgelb von Revell und den Farbton hab ich an den nicht ausgeblichenen Stellen farblich angepasst.
Nach und nach kamen dann alle Teile zusammen, während ich den Wagen weiter komplett ausgeräumt hab. Ich habe eigentlich alles außer die Karosse und 3 Felgen neu gekauft oder neu aufbereitet.
4 weniger 1 bleiben 3.....
Und warum konnten nur 3 Felgen am Wagen bleiben? Das kommt, wenn der Vorbesitzer Felgenschlösser verwendet, aber anscheinend keinen Drehmomentschlüssel! Zuerst ist die zum Schlosssystem gehörenden Nuss gerissen, zum Glück erst bei der letzten Felge. Das konnte man mit einer Schlauchschelle aber provisorisch zum Halten bekommen, es musste ja nur dieses eine mal noch gehen. Dann sind aber auch die Löcher für die Pins in dem Felgenschloss ausgenudelt, und zum Schluss in der Nuss einer der drei Pin‘s abgebrochen. Aber die Schlossmutter sitzt weiterhin Bombenfest. Das war es dann erstmal für die Felge. Sie ist zum Glück auf der Hinterachse und wird mitgetauscht, wenn ich die wechsel. Einen Mutternsprenger kann ich nicht ansetzen, auch keine Zange, da das Schloss einen mitdrehenden Ring hat der seine Aufgabe, unbefugtes lösen der Mutter zu verhindern, glänzend erfüllt.... Eine Aufgabe für später wenn mal überhaupt nichts zu tun sein sollte.
Ich hab mir dann eine neue Felge gekauft und den Vorbesitzer in die Hölle gewünscht.
Hier mal ein paar fixe Eindrücke: Ich verwende im Moment SR-Instrumente wegen dem Getrag und vor allem, weil ich die optisch besser finde als die für den Rallye korrekte 3er-Konsole. Denn irgendwie sieht die 3er-Konsole so aus wie sie ist: Einfach nachträglich unter die Mittelkonsole drunter geschraubt. Die vom SR sehen dagegen aus wie speziell gemacht, und das ist ja auch so. Aber das ist Ansichtssache, und ich habe die 3er ja auch als Reserve in einer komplett ausgestatteten weiteren Konsole inkl. Radio und allen Schaltern. Ich kann das also mit "4 Schrauben" einfach schnell tauschen, wenn ich will. Während der Wagen im Frühherbst 2017 wieder in seinem originalen UU 321 Brillantgrün neu lackiert wurde, konnten andere Baugruppen aufbereitet werden. Teile, die ich nicht schon in guter Aufbereitung kaufen konnte brachte ich zum Pulvern oder galvanischem Verzinken, Lima zerlegen und LMM aufbereiten, ist ja heutzutage kein Hexenwerk, macht aber dann später viel her bzw. schützt dann besser vor erneuter Korrosion. Viele Teile hab ich dann aus optischen Gründen auch nach dem Galvanisieren trotzdem wieder schwarz überlackiert, weil es früher auch dunkel und matt war. Den Kabelbaum hab ich auch neu gemacht, nach dem Motto: "Aus 3 mach 1". So ist der Kabelbaum nun genau nach Schaltplan (außer das Kabel zwischen Klemme 15 und der Zündspule wegen der kontaktlosen Zündung) und alles in den richtigen Kabelfarben. Es gibt keine fliegende Verdrahtung mehr. Der Aufwand lohnte, denn nach dem Einbau waren alle Funktionen auf Anhieb korrekt. Ergänzt hab ich nur die Überwachung des Bremsflüssigkeitsstandes, ist original Opel, so aber wohl nur in der Schweiz vorgeschrieben und gab es in Deutschland nicht soweit ich weiß. Die Kontrollleuchte ist nun also 3-fach belegt: Kupplung, Handbremse und Bremsflüssigkeitsstand. Diese Kombi ist sicher nicht original
Eine weitere kleine Abweichung vom Original ist, das ich die Motorraumleuchte über die Masse so belegt habe, das sie nur angeht wenn Licht an ist und die Haube geöffnet wird. Aber das nur deswegen, weil der dazu notwendige Haubenkontaktschalter vorne schon da war von der Alarmanlage des Vorbesitzers.
Der Vorbesitzer hatte die Kraftstoffpumpe auch nicht in den Kofferraum montiert, sondern unter dem Wagen im Tunnel der Hinterachse. Sah grottig aus, war auch grottig. Ich habe sie verschrottet und eine neue dann so montiert, wie es sich gehört. Und die Benzinleitungen neu verlegt, alles schön in Kunifer-Rohr mit einigen kurzen Schlauch-Zwischenstücken, so wie es so ähnlich vermutlich original wohl war. Auch die Bremsleitungen sind neu. Wenn schon, denn schon.
Dämmung hab ich auch ergänzt, also ist diese gummiartige Zusatzdämmung im Motorraum (außer auf der Gebläseabdeckung) und im Fußraum dazugekommen, und eine Fasermatte für den Tunnel. Wir wissen ja alle, wie der Kadett dröhnt. Den Motor hab ich nicht mit dem Getriebe zusammen einbauen können, es fehlten immer ein paar Millimeter an Platz. Also hab ich das wieder getrennt und den Motor einzeln eingebaut. Den Motor einzeln einzusetzen ist ja nicht schwer, dann aber von unten, und ohne Grube, das Getriebe einzubauen dafür umso kniffliger. Ich hab 2 Tage gebraucht. Zum Glück ist die Kupplung ganz neu da muss ich nicht so schnell wieder ran hoffe ich. Dann musste die Auspuffanlage an allen Hindernissen vorbeigezirkelt werden. Auch wenn ich heute die Ray 85 mit allen 3 Pötten eingebaut habe, ist in meinen Papieren die Anlage nur mit 2 Töpfen eingetragen. Eigentlich ein Unding, keine ABE von Ray gibt das her. Manch anderer würde sich über so eine Eintragung natürlich freuen, und ich lass das auch so in den Papieren. Der Vorbesitzer hatte allerdings das Hosenrohr umgeschweißt, so dass es anstelle des Vordämpfers direkt zum ursprünglich originalen mittleren Dämpfer führte der so nun der vordere war. Leider aber war die Ergänzung aus normalem Stahlrohr. Wie so eine ungünstige Materialpaarung in einer Edelstahlanlage ausgeht, kann sich ja jeder denken. Da brauche ich nicht mal zu überlegen ob der Vorbesitzer bei so einer Kombi schon mal von Schwarz-Weiß-Draht gehört hat. Aber bei einem Auspuff macht man so eine Kombination besser grundsätzlich nicht, weil es kontraproduktiv ist. Die Anlage war aber auch sonst nicht mehr so toll, da der Wagen tiefer war und daher schon mal aufgesetzt hatte. Ich verfügte zudem über eine ungenutzte komplette Ray 85-Anlage, jedoch ohne Hosenrohr. Die hab ich nun verwendet. Also hab ich deswegen das Hosenrohr aus dem Wagen wieder gekürzt, den Verlauf auch korrigiert und an die ursprüngliche Ausrichtung angepasst. Dann konnte der bisher fehlende vordere Pott wieder eingebaut werden.
Eine der tückischen Leichen, die der Vorbesitzer mir hinterlassen hat, und die von mit etwas unterschätzt worden war, ist dass er die originalen Halter Getriebekonsolen ersatzlos abgeschnitten hat. Sein eigener Halter für das Overdrive-Getriebe war eine Katastrophe. Er hat sich einen Getriebehalter selber gebaut aus mindestens 5 Resten, und diesen dann direkt unter den Wagenboden geschraubt. Konsole? Nö, wozu??? Dünnes Bodenblech und von innen eine große Unterlegscheibe sollten wohl reichen muss er sich gedacht haben. Einige Schweißnähte des Halters haben nicht gebunden. Ein Wunder, dass das Ding überhaupt zusammengehalten hat : Kein Wunder aber dann auch, das der Gummiblock der Getriebelagerung gerissen ist, denn richtig ausgerichtet war das sicher nicht, und ob dieses Konstrukt die Schwingungen abfangen konnte bezweifel ich stark. Leider hab ich die Lagerung nicht in Einbaulage fotografiert, das war echt der Knaller! Das ist für mich auch so eine Frage, warum der TÜV dazu nichts gesagt hat! Und warum mir das bei der Wagenbesichtigung überhaupt nicht aufgefallen ist bleibt mir auch ein Rätsel. Ich hab wohl eine Sonnenbrille unter dem Wagen aufgehabt....
Es war dann nicht ganz so einfach, die originalen Konsolen die ich aus der Bucht gekauft hab wieder genau im Tunnel zu positionieren, hat aber geklappt.
Es gab auch viele andere kleine Leichen, z. B. die fehlende Verwendung von Drehmomentschlüsseln oder zumindest etwas Gefühl. So manche Schraube ließ sich nicht mehr oder nur zerstörend lösen, nicht wegen Rost, sondern weil sie quasi „kaltverschweißt“ war. Kraftgefühl kann der Vorbesitzer jedenfalls nicht in Übermaß gehabt haben. Ich hab mal gelernt dass Schrauben eigentlich zu den lösbaren Verbindungen gehören.
Aber er hat auch viel Gutes gemacht, unter anderem eine richtig gute Hohlraumversiegelung, nachdem der Wagen irgendwann schon mal sehr gut aufgearbeitet wurde.
Innen ist nun auch alles überarbeitet. Ich habe einen originalen Teppich gekauft als Ersatz für den 7-teiligen Nachbau-Teppichsatz, das sah auch gefricklelt aus. Alle Verkleidungen (A-Säulen und unter der Rückbank) haben ich als sehr guten Nachbau bei Ebay bekommen. Die sind richtig gut gemacht. Ansonsten musste ein zeitgenössisches Opelradio her, da hab ich das damals beste für den Kadett lieferfähige Gerät gefunden, das Le Mans Super. Dann war für mich ab November Winter, und ein zufälliger Kontakt in Bremen hat diese Unterbrechung meiner Arbeiten für sich nutzen können: Mein Wagen gelangte im Januar in eine Kadett-Ausstellung im Schuppen 1 in Bremen. Da blieb er nun bis März schön im Warmen.
Überhaupt ist meine Garage eigentlich völlig ungeeignet für so eine Aktion gewesen: eng, ungeheizt, Werkstatt im Keller, also lange Wege. Aber das kann man sich ja nicht immer aussuchen. Heizung wäre echt toll gewesen an manchen Tagen, und eben eine Grube oder Bühne. Aber eine ISO-Matte, Rampen und Heber geht ja auch. Ich habe bis auf die Lackierung und das Polstern der Sitze alles selber und ganz alleine gemacht, weil ja wenig Schweißarbeiten waren, das kann ich nicht so gut. Was an Sonderteilen oder Hilfs-Werkzeugen herzustellen war, da hab ich mir in schwierigeren Fällen von Kollegen in der Firma helfen lassen. Tja, was nun noch fehlt ist der Austausch der Hinterachse. Ich habe eine 3:44 ohne Sperre, die ist noch in der Revision. Mir reicht diese Übersetzung, eine beschleunigungsfreudigere Übersetzung brauche ich eigentlich nicht, und der Rallye hatte diese Übersetzung ja auch ab Werk. Zumal ich mit diesem Wagen keine Sprintwettbewerbe fahren will, sondern er soll einfach an schönen Tagen, ohne viel Gedröhne, durch die Gegend bewegt werden. Damit wird der Kadett aber auch immer in Konkurrenz zu meinem Motorrad stehen, das ich natürlich ebenfalls weiterhin fahre. Das dröhnt auch, aber hier ist das mit Sprint und Geschwindigkeit ein anderes Thema. Wer das kennt weiß, dass damit der Bedarf an Beschleunigung und Geschwindigkeit im Wesentlichen abgedeckt ist und in Verbindung mit Kurvenpiepen sowieso nicht von einem Auto ausgeglichen werden kann. In Bezug auf Fahrspaß kann in meinen Augen kein Auto einem Motorrad das Wasser reichen. Das jedoch ist natürlich auch wieder so eine Ansichtssache.
Solange man auf ein wesentliches Teil wie die Hinterachse wartet kann man sich mit Nebensächlichkeiten beschäftigen. Wie zum Beispiel: Soll ich eine Tankverkleidung einbauen oder nicht? Sie ist nun drin, aber bleibt das länger so? Oder doch wieder raus? Die Entscheidung ist noch offen. Im Moment hab ich wieder weniger Zeit, es geht also nur langsam dem Ende entgegen. Ich habe noch Kleinigkeiten zu erledigen. An der Schaltkonsole in der ersten Kombination, die hier noch auf den Bildern zu sehen ist, war eine etwas längere Konsole am Getriebe, der Mittelpunkt lag etwa 20 mm hinter dem Zentrum des Loches im Tunnel. Der Schaltknüppel War schön ausgerichtet in der Mittelstellung, tocken gingen alle Gänge rein, jedoch lag er in den Gängen 2 und 4 hinten an der Konsole an, es stand zu befürchten dass die Gänge beim Fahre rausfliegen.
Die nun neue kürzere Konsole passt genau zum Loch, nun muss aber selbst meine kurze Schaltstange noch angepasst/gekürzt werden. Das kommt diese Woche dran, dann sollte alles passen hoffe ich.
Der Stallgeruch des Kadett-Vorbesitzers ist nun auch längst verflogen, und irgendwie ist das auch gut so dass ich den Wagen in diesem Umfang überarbeitet habe, sonst wäre es irgendwie auch nicht so richtig meiner geworden. Ich vermute der eine oder andere kennt dieses Gefühl bzw. weiß wie ich das meine.
Am Ende keine spektakuläre Aufarbeitung wie das hier viele andere hier machen und beschreiben, aber da ich es alles alleine und nur am Wochenende gemacht hab ist es okay für mich.
.... und nun der City
Und hier nun mein zweiter Kadett in der Vorstellungsrunde. Spontan ist im Februar nun noch ein City dazugekommen den man auf den vorangegangenen Bildern schon in der Garage sehen kann.
Ein spontaner Kauf. Das Fahrzeug ist zur Jahreswende 17/18 frisch aus Schweden eingeführt, originale und belegte 39.800 km auf der Uhr, weitgehend im Erstlack, und unverbastelt, Luxusaustattung, Scheinwerferwaschanlage. Aber das eine andere und echt kurze Geschichte, denn hier war eigentlich nichts zu tun außer ummelden. Glück muss man auch mal haben. Alter Schwede...
Allerdings mit einigen Besonderheiten, die ich auf die schwedische Zulassung zurückführe. Es ist ein 1,2 S, der einen Bremskraftregler hat, wie ich ihn ähnlich, aber nicht genauso, nur von den großen Cih her kenne. Die Ausführung ist hier im Detail aber etwas anders, auch der Halter. Dann hat er einen Sensor im HBZ (ich denke mal Druck), der auf die Handbremskontrollleuchte geht. Diese Ausführung des HBZ hab ich beim Kadett C so auch noch nicht gesehen. Serienmäßig hat er auch einen Handbremskontrollschalter, die Leuchte ist also doppelt belegt. Einen Handbremsschalter konnten man aber auch in Deutschland für das Schaltgetriebe bekommen wenn man nachgefragt hat soweit ich weiß. Muss also hier nicht unbedingt etwas mit Schweden zu tun haben. Anders ist auch, dass vom Tank 3 Leitungen abgehen: Eine Entlüftung in der bekannten City-Form, also Tankstutzen hoch und zurück, um den Tank rum und dann unten aus dem Boden. Das besondere ist, dass ich zwei Spritleitungen habe die nach vorne gehen: Eine an die Benzinpumpe (was für ein Wunder
Da konnte ich nicht Nein sagen. Hier aber nun ein paar weitere Bilder von dem Hausfrauen-Bomber: So, fertig, das war es. Viel und lang, aber dafür in einem Rutsch.
In diesem Sinne allen eine unfallfreie Saison. Ich weiß wovon ich spreche...
Gruß
Hauke